Marie Curie - die Einzige auf der Welt mit zwei Nobelpreisen in zwei Disziplinen

Marie Curie

In unserer DocuSign Serie „Die Geschichte der Innovation in 50 Vereinbarungen“  wird die Geschichte bestimmter Menschen, die Innovationen vorangetrieben haben, erzählt. Ohne deren Einfallsreichtum, Innovationsgeist und Genialität wäre unser Leben von heute in dieser Form nicht möglich.

Es ging um die Lösung von Problemen, Erleichterung des Alltags, eine Verbesserung der Lebensqualität oder um technischen Fortschritt. Wir haben für Sie die 50 wichtigsten Innovationen der Geschichte herausgepickt und ausführlich behandelt. Eine dieser Erzählungen ist die Geschichte von Marie Curie.  

Im folgenden Artikel wollen wir über diese außergewöhnliche Persönlichkeit näher berichten, interessante Hintergrundinformationen vermitteln und der Frage nachgehen, wie innovativ Marie Curie wirklich war:

Der Begriff „Innovation“ stammt aus dem lateinischen „innovatio“ und bedeutet soviel wie Erneuerung oder Veränderung. Seit 1915 wird dieses Wort im deutschen Duden geführt.

Marie Curie

Marie Cutie

 

Eine der innovativsten Persönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhundert war Marie Curie. Die zweifache Nobelpreisträgerin war nicht nur eine der genialsten Wissenschaftlerin dieser Zeit, sie war auch eine Vorreiterin und Vordenkerin und das in vielerlei Hinsicht. Sie hat sich über gesellschaftliche Konventionen hinweg gesetzt und war eine Pionierin in vielen Lebensbereichen:

„Was man verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht.“

Die Geschichte von Marie Curie beginnt am 7. November 1867 in Warschau, Polen: Maria Salomea Sklodowska erblickt das Licht der Welt. Ihr Vater Lehrer für Physik und Mathematik, die Mutter Leiterin einer Mädchenschule. Bildung hatte in ihrer Familie immer einen hohen Stellenwert, die Regale sind voll mit Büchern.

Bereits im Alter von vier Jahren kann Marie lesen und schreiben und verschlingt regelrecht alle Bücher, die ihr unterkommen.

Neben Gedichten und Abenteuerromanen hat Marie bereits ihre Lieblingsbücher gefunden:  die  Physik-Lehrbücher ihres Vaters. Sie saugt die Fachbücher auf wie ein Schwamm und besteht im Alter von 15 Jahren als Klassenbeste ihr Abitur.

Ab diesem Zeitpunkt war für Marie eines klar: sie möchte Wissenschaftlerin werden und an einer naturwissenschaftlichen Universität studieren. Die Sache hatte nur einen Haken: Frauen waren zu dieser Zeit für Universitäten nicht zugelassen. Aus diesem Grund arbeitete sie zunächst als Hauslehrerin und spezialisierte sich auf Physik und Mathematik. Ihre Freizeit verbrachte sie jede freie Minute mit ihrem Vater, der mit ihr zahlreiche physikalische Experimente durchführte.

So vergehen die Jahre, aber der Wunsch nach einem naturwissenschaftlichen Studium ist noch immer vorhanden und erst im Alter von 24 Jahren beschließt Marie sich an der naturwissenschaftlichen Universität in Paris zu bewerben.

Marie wird an der Universität angenommen und reist im September 1891 nach Frankreich um an der Sorbonne-Universität zu studieren. Von den 1800 Studierenden an der Universität waren nur 23 weiblich.

Marie schneidet bei den Prüfungen durchgehend als Beste ab und erhält daraufhin ein Stipendium, um ihr Studium weiterführen zu können.

Von der Gesellschaft zur Förderung der Nationalindustrie wird Marie des Weiteren gebeten, einige Stahlsorten und ihre magnetischen Eigenschaften zu untersuchen. Sie nimmt diesen Auftrag an und wechselt ihren Arbeitgeber.

Das dynamische Duo 

Maire und Pierre Curie

 

 

1895 beginnt Marie mit der Stahlstudie und lernt dort ihren Arbeitskollegen kennen: Pierre Curie. Pierre ist selbst renommierter Physiker, unverheiratet, attraktiv und die Chemie zwischen den beiden passt im wahrsten Sinne des Wortes. Aus der anfänglichen Sympathie wird schnell mehr und die beiden heiraten. Zwei Jahre später kommt ihre erste gemeinsame Tochter Irène zur Welt. Die frisch gebackene Mutter veröffentlicht zeitgleich ihre erste wissenschaftliche Arbeit über die Magnetisierung von Stahl.

Am Ende des Studiums angelangt bereitete sich Marie auf ihre Doktorarbeit vor. Bei der Themensuche stieß sie auf einen Aufsatz in dem der französische Forscher Henri Becquerel von eigenartigen Strahlen bei der Untersuchung des Schwermetalls Uran berichtete. Was es mit diesen Strahlen genau auf sich hatte, darüber wusste selbst Becquerel noch nicht Bescheid.

Die Vorstellung von noch unbekannten Strahlen, die von einem bestimmten Schwermetall erzeugt werden, faszinierte die junge Wissenschaftlerin und sie beschloss der Sache im Rahmen ihrer Doktorarbeit auf den Grund zu gehen. 1897 beginnt Marie, unterstützt von ihrem Ehemann mit den Forschungsarbeiten und 1898 präsentieren die beiden die Ergebnisse: erstmals wird der Begriff „radioaktiv“ verwendet:

Der Begriff beschreibt dabei die Verwandlung eines Elements, z.B. Uran, dass sich im Laufe der Jahre in immer kleinere Teile zerteilt und diese beginnen dann zu strahlen. Diese Strahlen sind radioaktiv und wie man erst später feststellte, für den Menschen äußerst gesundheitsschädlich und gefährlich. Zwischen 1898 und 1902 verfassen Marie und Pierre 32 wissenschaftliche Artikel über das Phänomen der Radioaktivität.

Für diese Entdeckung erhält Marie nicht nur als erste Frau in Frankreich den Doktortitel in einer naturwissenschaftlichen Disziplin, sondern sie und ihr Ehemann erhalten dafür 1903 den Nobelpreis für Physik. 

Der Schicksalsschlag

Marie Curie und ihre Kinder

 

 

Durch die Verleihung des Nobelpreises haben die beiden Wissenschaftler viel Aufmerksamkeit genossen und die Presse stürzte sich auf das erfolgreiche Wissenschaftler-Paar. „Die Presseleute rannten uns die Türe ein“ erinnerte sich Marie später an die Zeit. Doch die Zeiten des gemeinsamen Glücks sollten nicht ewig währen und endeten abrupt am 19. April 1906. Pierre wird bei einem  Verkehrsunfall mit einer Pferdekutsche schwer verletzt und erliegt noch am selben Tag an den Folgen seiner Verletzungen. Für Marie bricht eine Welt zusammen, der Verlust setzt ihr hart zu und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend. Trotz der schlechten Verfassung entscheidet sich Marie die Lehrstelle ihres verstorbenen Mannes an der Sorbonne Universität zu übernehmen. Damit war Marie Curie die erste Frau, die an dieser Universität auch lehren durfte.

"Ich habe gelernt, dass der Weg des Fortschritts weder kurz noch unbeschwerlich ist.“

Der 2. Nobelpreis

Marie lehrte nun an der Sorbonne-Universität und forschte währenddessen im Bereich Radioaktivität in ihrem kleinen Labor an der Sorbonne-Universität unermüdlich weiter. Vier Jahre schuftete Marie Tag für Tag fast rund um die Uhr, um aus 60 Tonnen Pechblende 0,10 Gramm Radium zu gewinnen.

Doch die jahrelangen Mühen und Entbehrungen hatten sich letzten Endes gelohnt: 1911 entdeckt Marie die radioaktiven Metalle Radium und Polonium.

Polonium leitet sich aus dem lateinischen ab und bedeutet auf deutsch Polen – das Heimatland der Wissenschaftlerin. Für diese Entdeckung erhält Marie den zweiten Nobelpreis – diesmal allerdings für Chemie.

Neben Linus Pauling ist Marie Curie die einzige Person, die Nobelpreise in zwei unterschiedlichen Disziplinen erhalten hat. 

Der Preis der Entdeckungen

Die Welt steht in Flammen, es tobt der erste Weltkrieg. Marie befindet sich in einem schlechten Gesundheitszustand. Die Ursache dafür: das jahrelange Hantieren und der direkte Kontakt mit radioaktiven Substanzen. Diese lagern sich in den Zellen ab und verursachen Krebs. Trotz ihrer schlechten Verfassung sieht sich Marie in der Pflicht, ihr Wissen an der Front einzusetzen. Als Expertin für Radiologie errichtete sie mobile Röntgeneinrichtungen und versorgte dort verletzte Soldaten. 

Nach dem Krieg reiste Marie nach Amerika und teilte in Vorlesungen ihr Wissen über Radioaktivität. In den 1920er Jahren verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand zunehmend und so entschied Marie schweren Herzens ihre Forschungstätigkeiten aufzugeben.

Am 4. Juli 1934 starb Marie Curie an Leukämie, die durch die Strahlung verursacht wurde, der sie aufgrund ihrer Forschung ständig ausgesetzt war.

Zunächst wurde sie neben Pierre Curie in Sceaux beigesetzt. Etwa sechs Jahrzehnte später wurden ihre sterblichen Überreste jedoch in das Panthéon in Paris überführt.

Ihre älteste Tochter, Irène, trat in die Fußstapfen ihrer Mutter und widmete ihr Leben ebenfalls der Wissenschaft. Irène heiratete später den noch unbekannten Physikerkollegen Frédéric Joliot. Wie schon ihre Eltern, arbeitete auch das Ehepaar Joliot-Curie ebenfalls zusammen und so war es ihnen 1934 schlussendlich gelungen nachzuweisen, dass beim Beschuss von Atomkernen mit Alphateilchen radioaktive Stoffe entstehen – die „künstliche Radioaktivität“ war gefunden, Grundlage der Kernspaltung und damit sowohl der Atomenergie als auch der Atombombe.

Für diese Entdeckung erhält das Paar den Nobelpreis für Chemie. Marie Curie reflektiert in einem Interview über Ihre Entdeckung:

„Man könnte sich vorstellen, dass das Radium aber auch in verbrecherischen Händen sehr gefährlich werden könnte, und man müsse sich fragen, ob es für die Menschheit gut ist, die Geheimnisse der Natur zu kennen, ob sie reif ist, daraus Nutzen zu ziehen, oder ob ihr diese Erkenntnis zum Schaden gereichen könnte.“

 Marie Curie ist die erste Frau,

  • die einen Abschluss in Physik macht

  • die an der Sorbonne Universität lehrt

  • die als Dozentin an die renommierte École normale supérieure de jeunes filles in Sèvres berufen wird

  • die einen Professorentitel bekommt

  • die an der ersten Solvay-Konferenz 1911 teilnahm

  • die im Panthéon in Paris wegen ihrer Verdienste beigesetzt wird

  • die erste Person überhaupt, der zum zweiten Mal ein Nobelpreis zuerkannt wird

Marie Curie's Entdeckungen haben die Welt revolutioniert und gehören aus diesem Grund, zu unseren 50 Innovationen, die in die Geschichte eingegangen sind.

Weitere 49 Innovationen warten auf Sie in unserem eBook „Die Geschichte der Innovationen in 50 Vereinbarungen“. Das eBook in voller Länge können Sie hier herunterladen. 

 

 

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