Fairtrade: Den Unterschied machen

In unserer DocuSign Serie „Die Geschichte der Innovation in 50 Vereinbarungen“ wird die Geschichte bestimmter Menschen, die Innovationen vorangetrieben haben, erzählt. Ohne deren Einfallsreichtum, Innovationsgeist und Genialität wäre unser Leben von heute in dieser Form nicht möglich.

Unsere Erfinder strebten nach Lösungen für Probleme, einer Erleichterung des Alltags, eine Verbesserung der Lebensqualität oder einen technischen Fortschritt. Wir haben für Sie die 50 wichtigsten Innovationen der Geschichte herausgepickt und ausführlich behandelt. Eine dieser Erzählungen ist die Geschichte über das Güte-Siegel: Fair Trade.

Fair Trade

 

 

 

Im folgenden Artikel wollen wir über diese außergewöhnliche Idee und die Gründerin näher berichten, interessante Hintergrundinformationen preisgeben und der Frage nachgehen, was an diesem Gütesiegel wirklich innovativ war:

Der Begriff „Innovation“ stammt aus dem lateinischen „innovatio“ und bedeutet soviel wie Erneuerung oder Veränderung. Seit 1915 wird dieses Wort im deutschen Duden geführt.  

Die Entstehung des Fair-Trade-Siegels

Im Jahre 1946 unternimmt die Amerikanerin Edna Ruth Byler mit ihrem Ehemann Joseph N. Byler eine Reise nach Puerto Rico. In einem Tal mit dem Namen „La Plata Valley“ lernt sie die dortigen Frauen näher kennen, freundet sich an und erhält dadurch Einblicke in das Leben der Menschen: ein Leben geprägt von Hunger, Elend und Armut. Es gibt so gut wie keine Arbeit, das Geld das man verdient reicht nicht einmal für das Notwendigste. An das Schuhlgeld für die Kinder nicht zu denken, auch Besuche beim Arzt können sich die wenigsten leisten. Ein Leben in Armut.

Edna in Puerto Rico

 

 

Auch Edna Ruth Byler hatte die vergangene Wirtschaftskrise selbst miterlebt und wusste was Hunger und Elend bedeuten. Als Angehörige der Mennoniten Freikirche wollte sie diese Armut aber nicht länger hinnehmen und war entschlossen etwas zu unternehmen.

Nur was? Die große Frage. Edna war nicht nur von den freundlichen und warmherzigen Frauen sichtlich berührt und angetan, sondern auch von ihren Stickereien, die sie anfertigten.

„Wenn mir die Stickereien gefallen, so wäre es doch möglich, dass auch meine Landsleute an den Handarbeiten Gefallen finden?“

Sie kaufte von den Frauen die unterschiedlichsten Handarbeiten und fuhr mit ihrem vollbeladenen Chevy II wieder nach Hause. In den USA angekommen, besuchte sie mit Ihrem Chevy zahlreiche Frauennähzirkel quer durch das ganze Land.

Woman selling knittings

 

 

Dabei erzählte sie die Geschichte der Frauen und wie diese Handarbeiten eine Möglichkeit bieten, dass eine Frau wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangte und dadurch die Chance hatte, ihrer Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Sowohl die Handarbeiten als auch die Geschichten über die Frauen kamen bei den Kunden gut an und die erste Chevy-Ladung war schnell ausverkauft.

Das sollte nicht die letzte Ladung sein, die Edna verkauft, aber dass aus ihrer Idee einmal ein weltweit anerkanntes Gütesiegel wird, daran hatte sie damals im entferntesten nicht gedacht.

Ihre Idee ist im Grunde sehr einfach: Wenn die Frauen einen guten und fairen Preis für Ihre Erzeugnisse bekommen, können sie damit ihre Familien ernähren und so auch langfristig der Armut entkommen und ihren Kindern eine Perspektive bieten.

Die Idee kommt gut an und aus Byler's Engagement entsteht "Selfhelp Crafts", eine Organisation des fairen Handels. Sie existiert unter dem Namen "Ten Thousand Villages" bis heute und gilt als der Vorläufer des Fairtrade-Siegels.

Self Help und ten thousand villages Logo

 

 

Das Fairtrade-Siegel

Um das Fairtrade-Siegel auf dem Produkt platzieren zu dürfen, müssen von den Herstellern, Produzenten und Händlern internationale Fairtrade-Qualitätsstandards erfüllt werden. Dazu gehören u.a.:

  • Mindestpreise
  • Arbeitsschutz
  • Gesundheitsschutz
  • Verbot von Kinderarbeit
  • Verbot bestimmter Pflanzenschutzmittel
  • Verbot von gentechnisch veränderten Bestandteilen
  • Trinkwasserschutz

Die Bezeichnung „fair“ ist nicht geschützt, sodass prinzipiell jeder „fair trade“ auf seine Produkte schreiben darf. Das Fairtrade-Siegel dagegen ist geschützt und versichert dem Konsumenten damit die Einhaltung obiger Standards. 

Vorläufer des Fairen Handels weltweit

Ende der 1950er Jahre Der Direktor der englischen Entwicklungsorganisation OXFAM bringt von einer Hongkong-Reise die Idee mit, Handwerksprodukte chinesischer Flüchtlinge in Oxfam-Läden zu verkaufen. 

1964 Aus dieser Idee resultierte die Gründung der ersten "Alternativen Importorganisation".

1967 Die niederländische Stiftung S.O.S. startet mit dem Handel von Kunsthandwerk aus der so genannten Dritten Welt. Diese Produkte wurden zunächst überwiegend in Kirchengemeinden bei der deutsch-niederländischen Grenze verkauft.

Sitz von S.O.S. war die Grenzstadt Kerkrade, nahe bei Aachen im Dreiländereck mit Deutschland und Belgien gelegen. Diese Grenznähe wurde für die weitere Entwicklung des Fairen Handels wichtig: Das überzeugende Handlungsmodell von S.O.S. führte dazu, dass auch in Belgien, Deutschland, Österreich und der Schweiz Fairhandels-Organisationen entstanden sind. Heute trägt die frühere S.O.S. den Namen "Fair Trade Original".

1969 Eröffnung des ersten "Wereldwinkel" (Weltladen) in den Niederlanden.

Entwicklung des Fairen Handels in Deutschland

Während es in den USA bereits mehrere Organisationen gibt, denen faire Handelsbeziehungen ein ernstes Anliegen sind, dauert es in Deutschland noch einige Jahre, bis auch hier die ersten Forderungen nach gerechteren Bedingungen von immer größeren Teilen der Bevölkerung von der Politik auch eingefordert werden:

1970 Aus Kritik an der offiziellen Entwicklungspolitik organisieren die kirchlichen Jugendverbände aej (Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.) und BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) Hungermärsche in 70 Städten der Bundesrepublik und mobilisieren 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 

1971 Daraus entsteht die Bewegung „Aktion Dritte Welt Handel“. Die Ware ist Gegenstand politischen Lernens: „Lernen durch Handeln“.

1972 Die „Gesellschaft für Handel mit der Dritten Welt“ wird als deutsche Tochter der niederländischen Stiftung S.O.S. in Würselen bei Aachen gegründet. Diese Vorläuferorganisation der GEPA erleichtert den Vertrieb der Waren, die man bis dahin aus den Niederlanden beziehen musste. 

1973 Die Aktion Indio-Kaffee aus Guatemala ist unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ erfolgreich.

1975 Die Arbeitsgemeinschaft der 3.-Welt Läden (AG3WL) wird in Frankfurt am Main ins Leben gerufen. In diesem Jahr gibt es 10 Weltläden.

Gründung der GEPA: Am 14. Mai 1975 wird der Gesellschaftervertrag zur Gründung der GEPA als „wirtschaftlicher Arm“ der Bewegung von A3WH e.V., Kirchlichem Entwicklungsdienst (KED), Misereor und der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft der Dritte Welt Läden unterzeichnet. Der Umsatz liegt im ersten Jahr bei 1,33 Millionen Euro, es gibt etwa 40 Weltläden in Deutschland.

1978 „Wandel durch Handel“ - Jutetaschen aus Bangladesch werden im gleichen Jahr mit dem Slogan „Jute statt Plastik“ zum Symbol für die Alternativbewegung und für einen anderen Lebensstil.

1985 Nach 10 Jahren gibt es ca. 200 Weltläden.

1986 Gründung von BanaFair e.V. Der Verein BanaFair e.V. importiert und vertreibt Bananen von Kleinproduzenten, die ihre Früchte unabhängig von multinationalen Konzernen produzieren und vermarkten.

1988 Weltläden der Region Oberschwaben gründen dwp (dritte-welt partner GmbH). 2005 wird dwp in eine Fairhandelsgenossenschaft umgewandelt.

1989 Entschließt die GEPA sich ihren Vertriebsweg auszuweiten: Von nun an kann man GEPA-Produkte nicht nur im Weltladen, sondern auch im Supermarkt einkaufen.

1992 Die Siegelorganisation TRANSFAIR zur Ausweitung des Fairen Handels wird gegründet. Inzwischen bieten etwa 600 Weltläden fair gehandelte Produkte an.

1998 Offizielle Gründung des Weltladen-Dachverbandes e.V. als gemeinsame Dachorganisation der Weltläden und Aktionsgruppen.

2003 Zur Unterstützung des Fairen Handels beschließt die Bundesregierung die Kampagne „fair feels good“, die von der Verbraucherinitiative betreut wird.

2006 Der Discounter Lidl und TransFair verständigen sich in einem Kooperationsvertrag auf eine Zusammenarbeit beim Verkauf von fair gehandelten Produkten. Lidl führt daraufhin ein eigenes Sortiment mit dem Fairtrade-Siegel ein. Dies führt zu erheblichen Diskussionen in der Fairhandelsszene.

2012 Inzwischen sind fair gehandelte Produkte bundesweit in rund 800 Weltläden, 36.000 Supermärkten, Bio- und Naturkostläden, in Discountern und bei etwa 6.000 Aktionsgruppen erhältlich.

Der Faire Handel wächst seither stetig weiter, denn immer mehr Konsumenten ist es immer wichtiger, nicht nur wo, sondern auch unter welchen Bedingungen Güter produziert werden. FAIRTRADE zeigt, dass es auch anders geht, nämlich FAIR. 

Edna's Idee hat die Welt revolutioniert und gehört aus diesem Grund, zu unseren 50 Innovationen, die in die Geschichte eingegangen sind.

Weitere 49 Innovationen warten auf Sie in unserem eBook „Die Geschichte der Innovationen in 50 Vereinbarungen“. Das eBook in voller Länge können Sie hier herunterladen.

 

Werden Sie Teil der DocuSign Community und folgen Sie uns auf Linkedin

 

 

 

Veröffentlicht
Schlagwörter