Charlie Chaplin – Mit Spazierstock und Melone zur Filmikone

The History of Innovation

Haben Sie sich je gewundert, welch beispiellosen Einfluss Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin auf die heutige Filmindustrie haben? Wie sähe ein Hollywood-Film heutzutage aus, hätten wir Chaplin nie auf eine Bühne treten lassen? 

In unserer DocuSign Serie „Die Geschichte der Innovation in 50 Vereinbarungen“  wird die Geschichte besonderer Menschen, die Innovationen vorangetrieben haben, erzählt. Wir zelebrieren den Einfallsreichtum, Innovationsgeist und Genialität, denn ohne diese Zutaten wäre unser Leben von heute in dieser Form nicht möglich.

Im folgenden Artikel wollen wir über diese außergewöhnliche Persönlichkeit näher berichten, interessante Hintergrundinformationen vermitteln und der Frage nachgehen, wie es einem Kind von der Straße gelungen war, zur Filmikone des 21. Jahrhunderts aufzusteigen. 

Charlie Chaplin ist die Filmikone des 21. Jahrhunderts schlechthin. Er hat die Stummfilmzeit und die spätere Tonfilmära geprägt wie kein anderer, und gezeigt, dass es zu jenen Zeiten auch anders ging: Mit einem Lächeln. 

„Jeder Tag an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“ Charlie Chaplin

Wenn man sich mit der Lebensgeschichte des Schauspielers auseinandersetzt, ist einem zunächst nicht zu lachen. Seine Kindheit war alles andere als komisch. 

Charles Spencer Chaplin wurde am 16. April 1889 in Walworth, London England geboren.

Die Eltern Hannah Harriet Chaplin und Charlie Chaplin Sr. arbeiten beide als Sänger und Entertainer an der „Londoner Music Hall“. Die Familienidylle hält nicht lange und die Eltern trennen sich kurz nach seiner Geburt. Fortan lebt Charlie mit seinem älteren Bruder Sydney zusammen mit der Mutter.

Diese ist jedoch mit der Fürsorge komplett überfordert, da sie unter schwerwiegenden psychischen Problemen leidet. Die daraus folgende Arbeitslosigkeit und finanzielle Notlage der Mutter bedeutete, dass die beiden Buben zahlreiche Aufenthalte in den unterschiedlichsten Armen- und Waisenhäuser in London erleben mussten.

Diese Zeit war für Charlie Chaplin sehr prägend, denn er war schon als kleiner Junge ein sehr guter Beobachter und es wurde im sehr früh bewusst, was es bedeutet aus einem sozial schwachen Milieu zu kommen.

 „Ohne Armut durchlebt zu haben, weiß man Luxus kaum zu schätzen.“ Charlie Chaplin

In diesen prekären Verhältnissen fand die Kindheit der zwei Brüder ein schnelles Ende und  so mussten die beiden selbst für sich sorgen. Charlie verließ im Alter von 13 Jahren bereits die Schule und verdiente sich sein täglich Brot als Laufbursche, Zeitungsjunge oder Spielzeugmacher. Ein weiteres Zubrot der beiden Brüder waren Auftritte in verschiedenen Theaterensembles.

Charlies schauspielerisches Talent und seine frische lustige Art kamen gut beim Publikum an und so erhielt Charlie im Jahr 1903 seine erste große Hauptrolle im Theater.

Sein Bruder Sydney spielte dort auch, jedoch zeigte es sich sehr früh, dass Sydney ein weiteres Talent besaß: er war der Finanzexperte unter den beiden. Der wirtschaftliche Typ sozusagen und so verblüfft es wenig, dass sein Brüder später auch das Management für Charlie übernimmt.

Charlie und Sydney Chaplin

 

 

Den ersten Vertrag unterschreiben die Brüder bei Fred Karno und seiner Theatergruppe. Das besondere an dieser Theatergruppe ist die Spezialisierung auf das Pantomimenspiel. Diese Form des Theaters erfreut sich beim Publikum immer größerer Beliebtheit und Charlie Chaplin erhält für sein komisches Schauspiel immer mehr positive Kritiken von der Presse. Durch die Erfolge in England ermutigt, entschließt sich Charlie sein Glück auch in Übersee zu versuchen. Mit seinem kompletten Theaterensemble im Gepäck reist Charlie mit seinem Bruder nach Amerika. Dort angekommen tourt er mit seinem Theaterensemble durch das Land und konnte auch dort das Publikum begeistern und für sich gewinnen. Diese Beliebtheit führte schließlich zum ersten Film Angebot als Filmschauspieler bei den Keystone Studios. Für umgerechnet ca. 130 Euro (150 USD) Gage pro Woche unterzeichnet er den Vertrag.

Doch Charlie ist mit seinen Rollenangeboten unzufrieden und die Arbeitsbedingungen missfallen ihm. In dieser scheinbaren Sackgasse sucht Charlie einen Ausweg. Und siehe da. Er hat eine Idee: 

Er entwirft den „Tramp“ - jenen Charakter mit dem er weltberühmt wurde:

Melone, zu kleine Jacke, zu große Schuhe und eine zu große Hose sind seine Markenzeichen.

„Der Spazierstock steht für die Würde des Menschen, der Schnurrbart für die Eitelkeit, und die ausgelatschten Schuhe für die Sorgen.“ Charlie Chaplin

Die Bestandteile des „Tramps“-Kostüm:

Charlie Chaplin als Tramp

 

 

Charlie lieh sich Fatty Arbuckles riesigen Hosen aus, dazu die Jacke des winzigen Charles Avery, Fred Sterlings Schuhe mit Größe 48, eine zu kleine Melone, die Arbuckles Schwiegervater gehörte und einen Schnurrbart, der für Mark Swain bestimmt war. 

Mit der Erschaffung dieses Charakters hat Charlie Chaplin unser modernes Verständnis von Komik geprägt, wie kein anderer und tatsächlich wäre die Filmschmiede Hollywood heute sicher nicht das, was sie ist, ohne dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit. 

Charlie Chaplin ist zum Publikumsmagneten geworden und so dauert es nicht lange, bis sein Produzent ihm 1914 auch eine Tätigkeit als Regisseur anbietet: „Caught in the Rain“ wird Chaplins erste Regiearbeit und gleichzeitig einer der bis dahin erfolgreichsten Produktionen des Filmstudios. Kurze Zeit später wechselt er schließlich zu den Essanay Filmstudios und arbeitet dort mit einer eigenständigen Crew zusammen. Seine bis dato ausnahmslos durch Komik und Slapstick geprägten Filme werden jetzt mit romantischen und dramatischen Elementen angereichert.

Charlies Filme kommen nicht nur beim Publikum gut an, auch in finanzieller Hinsicht sind die Filme ein Kassenschlager. Charlie unterzeichnet 1916 einen Vertrag mit der Mutual Film Corporation in New York: Sein Gehalt: $ 670.000 USD pro Jahr.

Kaum zu glauben, doch das war mehr, als der damalige Präsident der Vereinigten Staaten verdiente. Dieser schaffte es auf lediglich $ 75.000 USD pro Jahr.

Charlie Chaplin

 

 

 Zu seinen berühmtesten Filmen zählen „The Kid“ (1920), „Goldrausch“ (1925), „Lichter der Großstadt“ (1931), „Moderne Zeiten“ (1936), „Der große Diktator“ (1940) sowie „Rampenlicht“ (1952). Für sein Filmschaffen wurde Charlie Chaplin mit drei Oscars ausgezeichnet und von der Queen 1975 geadelt.

Charlie Chaplin stammte zwar aus der Ära der Stummfilmzeit, doch seine Herkunft und Erlebnisse machten ihn zu einem gesellschaftskritischen Denker und die Zeiten, in denen er lediglich ein stiller Beobachter war, sollten ein Ende nehmen.

Nachdem Charlie vom Schauspieler zum Produzenten aufstieg, war es ihm ein großes Anliegen, das Medium Film auch als gesellschaftskritisches Medium zu betrachten. Film sollte nicht nur unterhalten, nein. Film sollte den Rezipienten gelegentlich zum Nachdenken bringen und gesellschaftliche Entwicklungen hinterfragen. Quo vadis? Wohin gehen wir, Mensch? Chaplin erkannte diese große Möglichkeit und in diesem Sinne schuf er wohl sein bis dato größtes Meisterwerk, welches am 15. Oktober 1940 uraufgeführt wurde:

Der große Diktator

Die Handlung des Films ist schnell erklärt: Der Diktator Hynkel wird nach dem Einmarsch seiner Truppen in das Land mit seinem Doppelgänger, einem aus dem KZ entflohenen jüdischen Barbier, verwechselt. Der verstörte kleine Mann wagt es, statt der erwarteten Staatsrede einen flammenden Appell für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden abzugeben.

Charlie Chaplin: Der Diktator

 

 

Zitate aus dem Film- der große Diktator:

 „Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein, wir müssen es nur wieder zu leben lernen.

Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehen geblieben. Maschinen produzieren im Überfluss, und trotzdem wollen wir mehr.

Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füßen treten, werden nicht immer da sein. Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen und auch ihr Hass. 

Charlie Chaplin gründet Filmverleih 

Charlie war in seinem Leben in vielen Filmen vor und hinter der Kamera. Doch auch das war im zu wenig. Er wollte etwas Größeres schaffen und der Menschheit in seiner Dankbarkeit etwas zurückgeben: Gemeinsam mit seinen Kollegen gründet er im Jahr 1919 den Filmverleih United Artists. Eine weitere Vereinbarung, die auf Chaplins innovativen Geist zurückzuführen ist. 

Ziel dieser Vereinigung war es eine Monopolstellung in der Filmbranche zu verhindern, um damit die künstlerische Freiheit zu gewährleisten.

Ein freies und selbstbestimmtes Leben führen zu können, waren für Charlie die Grundsteine eines guten und erfüllten Lebens. Sich über gesellschaftliche Erwartungen und Autoritäten hinwegzusetzen, waren nicht nur sein Credo, sondern beschreiben auch seinen Lebenswandel. Zahlreiche Skandale begleiten das filmische Multitalent sein ganzes Leben lang: Aus vier Ehen gehen insgesamt 11 Kinder hervor.

Chaplins erste Ehe war 1918 mit Mildred Harris. Nach ihrer Scheidung heiratete er 1924 die Schauspielerin Lita Grey. Als der Schauspieler 47 war, heiratete er seine dritte Frau, Paulette Goddard. Seine vierte und letzte Ehe war 1943 mit Oona O'Neill, als Chaplin 54 Jahre alt war. Sie gebar 8 der 11 Chaplin-Kinder und sie lebten bis zu Chaplins Tod zusammen. 

Am 25. Dezember 1977 segnete Charlie Chaplin in Corsier-sur-Vevey in der Schweiz das Zeitliche.

Dass seine verstorbenen Überreste eines Tages Teil einer skurrilen Slapstick-Komödie werden sollten, hätte sich nicht einmalCharlie ausmalen können:

In der Nacht vom 1. auf den 2. März 1978 wurde der 135 kg schwere Eichensarg ausgegraben und entwendet. In der Folge stellen die Entführer eine satte Lösegeldforderung von 600.000 USD für die sterblichen Überreste.

76 Tage nach der Tat gehen die Räuber der Polizei ins Netz. Über 200 Telefonzellen wurden dafür überwacht. Der Sarg von Charlie Chaplin liegt seither wieder auf dem Friedhof – einbetoniert in zwei Metern Tiefe und ruht endgültig in Frieden.

Charlies Humor und Filme haben die Welt bereichert und gehören aus diesem Grund, zu unseren 50 Innovationen, die in die Geschichte eingegangen sind.

Weitere 49 Innovationen warten auf Sie in unserem eBook „Die Geschichte der Innovationen in 50 Vereinbarungen“. Das eBook in voller Länge können Sie hier herunterladen. 

 

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