Blockbuster - eine Innovation, die von der Bildfläche verschwand 

History of Innovation

Können Sie sich noch an diese kleinen Kärtchen mit Nummern erinnern, die in der Videothek an der Videokassettenhülle befestigt waren? Hatte man sich für einen Film an jenem Freitagabend entschieden, marschierte man mit diesem Kärtchen zur Kasse. Dort angelangt, bekam man die entsprechende Film-Kopie ausgehändigt. So in etwa war das Prozedere, insofern der Film der Begierde auch verfügbar war. Gerade bei Neuerscheinungen waren oft nur sehr wenige Kopien vorhanden und die waren schnell vergriffen, ebenso die guten alten Klassiker.

History of Innovation

 

 

 

So war das damals. Damals? Klingt verdammt lang her. Kärtchen mit Nummern und Videokassetten. Nun, so weit hergeholt, ist das gar nicht. Um genau zu sein, 21 Jahre.  Im Jahr 2000 ging eine Ära zu Ende, und ebnete damit den Weg für eine Neue: In unserem heutigen History of Innovation Blog zeigen wir Ihnen, wie aus einer Idee eine lebensverändernde Innovation entstand. Eine Innovation ohne die, die Welt der Medien heute eine andere wäre. Innovation eröffnet neue Möglichkeiten und bedeutet oft auch das Ablösen bisheriger Technologien. Ein Musterbeispiel dafür, ist die Geschichte von Blockbuster. Der amerikanische Filmverleiher war über 20 Jahre unangefochtener Marktführer. Mit 25.500 Mitarbeitern, 8.000 Geschäften und 6.000 DVD-Automaten erwirtschaftete das Unternehmen einen jährlichen Cashflow von 500 Millionen US-Dollar und wurde auf 8 Milliarden US-Dollar geschätzt. In Deutschland betrieb das Unternehmen 20 Filialen und wollte bis zum Jahr 2000 die Zahl auf 270 Filialen erhöhen. Doch dazu ist es nie gekommen. Sein Glaube an das Altbewährte brachte Blockbuster zum Einsturz und ebnete einer neuen Ära den Weg: Netflix betritt die Bühne und Blockbuster verschwindet von der Bildfläche. Wie es dazu kam, erfahren Sie im folgen Artikel:

Blockbuster – Die Firmengeschichte

Blockbuster wird 1985 von David Cook gegründet und geht ein Jahr später an die Börse. Die Geschäftsidee ist dabei ganz einfach: Anstatt sich wie bisher Filme im Kino anzusehen, sollte es fortan möglich sein, sich Kinofilme einfach auszuleihen und daheim im eigenen Wohnzimmer anzusehen. Die dafür benötigten Endgeräte wie Fernseher und Videoabspielgeräte waren ohnehin bereits in jedem Haushalt verfügbar und ermöglichte  den Kunden damit viel Auswahl an Filmen an nur einem Ort – der Videothek. “Dont buy, just rent!” lautete das Motto, und das kam bei den Kunden auch richtig gut an. Bis zum Sommer 1986 hat Cook das Blockbuster-Konzept auf drei weitere Filialen ausgeweitet und der Umsatz stieg von 7,4 Millionen im Jahr 1986 auf 43,2 Millionen im selben Jahr.

Blockbuster

Im Februar 1987 verkaufte Cook jedoch ein Drittel von Blockbuster an eine Gruppe von drei Investoren, die alle ehemalige Mitarbeiter eines anderen Unternehmens waren, nämlich Waste Management Inc. Ende 1987 betrieb Blockbuster in den USA bereits 133 Filialen und war, gemessen am Umsatz, die fünftgrößte Videokette des Landes geworden.

Cook witterte damals auch sehr gute Geschäftsmöglichkeiten für den Verleih von Videospielen. Doch von der Idee, mit der alten Tradition zu brechen und Videospiele nur zu verkaufen, war die Firma Nintendo wenig begeistert und es begann ein jahrelanger Rechtsstreit, den Cook im Jahre 1987 für sich gewinnen konnte. Damit war der Weg für die inzwischen nostalgische Innovation und damals lohnende Geschäftsidee - der Verleih von Videospielen geebnet.

1988 war Blockbuster mit rund 400 Filialen bereits die führende Videokette Amerikas und setzte sein ehrgeiziges Expansionsprogramm fort. Im Januar 1989 schloss Blockbuster den Kauf der in Las Vegas ansässigen Major Video, Inc. für 92,5 Millionen ab, der viertgrößten Videoverleihkette des Landes. Im Juni 1990 wurde die 1.200ste Filiale eröffnet, und jeden Tag kam eine neue Filiale hinzu.

Im Oktober 1990 gab Blockbuster Pläne bekannt, mit Den Fu jita, dem Unternehmen, das McDonald's-Franchises in Japan betrieb, bei der Entwicklung und dem Franchising von Videotheken in diesem Land zusammenzuarbeiten.

Am 19. Oktober 1991 bricht in den Hügeln von Oakland, Kalifornien, ein Feuer aus. Die Naturkatastrophe hat auch Auswirkungen auf das Unternehmen und so fielen die Finanzergebnisse für das erste Quartal 1991 zum ersten Mal in der Firmengeschichte sehr enttäuschend aus und es sollten in Zukunft noch weitere Herausforderungen kommen: Nur drei Tage nachdem Time Warner angekündigt hatte, sein Kabelsystem aufzurüsten, fielen die Aktien von Blockbuster um mehr als 10 Prozent und eine Verbesserung der Fiananzergebnisse war nicht in Sicht. Während die Umsätze in manchen Bereichen nur stagnierten, kam es in vielen Regionen der USA zu starken Umsatzeinbußen.

Das Licht am Ende des Tunnels

Das Jahr 1992 bringt Blockbuster die große Wende und Harry Wayne Huizenga übernimmt das Ruder. Huizenga ist kein unbekannter Mann in der Branche, bekannt als erfolgreicher Unternehmer, Tausendsassa und Visionär, der aus armen Verhältnissen einen Multimillionen-Dollar Unternehmen aus dem Boden stampfte.   1962 gründete er den Southern Sanitation Service, indem er sich von seinem Vater 5.000 US-Dollar lieh und einen rivalisierenden Müllabfuhrunternehmer dazu brachte, ihm gebrauchte LKW's zu verkaufen. 1968 begann er mit einem einzigen Müllwagen und ging aggressiv auf Kundenfang, er gründete Waste Management, Inc. ein Unternehmen, das schließlich zu einem Fortune 500-Unternehmen wurde. Huizenga kaufte viele unabhängige Müllabfuhrunternehmen auf; als er das Unternehmen 1972 an die Börse brachte, hatte er die Übernahme von 133 kleinen Müllabfuhrunternehmen abgeschlossen. In den frühen 1980er Jahren hatte er Waste Management zu einem der größten Abfallentsorgungsunternehmen der Vereinigten Staaten ausgebaut und seine Einkaufstour durch die Vereinigten Staaten war noch lange nicht zu Ende:

1987 erwarb Huizenga eine Handvoll Blockbuster Läden, wurde 1992 Teilhaber und eröffnete in Los Angeles die ersten Läden der neuen Art:  der Vorläufer eines Netzwerks von Läden, die nach Huizengas Vorstellung nicht nur Videos ausleihen, sondern auch Musik, Computerprogramme und Spiele verkaufen und ausleihen und High-Tech-Unterhaltungsspielhallen mit virtueller Realität enthalten sollten.

Im Rahmen der weiteren Expansion nach Übersee kaufte Blockbuster im Januar 1992 Citivision PLC, die größte Videoverleihkette in Großbritannien, für 135 Millionen, in der Erwartung, dass diese Immobilie eine wertvolle Exposition im Vereinigten Königreich und einen Ausgangspunkt für weiteres Wachstum in Europa darstellen würde.

Ein verärgerter Kunde

Im Jahre 1997 betritt ein Mann eine Blockbuster-Filiale. Er möchte die ausgeliehenen Filme zurückbringen. Soweit so gut, die Filme retour, alles in Ordnung nur leider 4 Tage zu spät und diese verspätete Rückgabe der Filme kommt dem Mann teuer zu stehen: 40,- US-Dollar verlangt Blockbuster als Entschädigung. Der Mann bezahlt und verlässt verärgert die Blockbuster-Filiale. Nun, wer war dieser Mann?

Der verärgerte Kunde aus der Videothek war Reed Hastings – der Mann, der im April 1998 das Unternehmen gründete, das Blockbuster endgültig aus dem Geschäft drängte: Netflix.

Hastings und sein Mitgründer Marc Randolph wollten ein neues Unternehmen gründen, und Hastings' Frustration über Blockbuster inspirierte sie teilweise zu ihrer originellen Idee einer Online-Plattform für den Verleih von Filmen per Post. Aber erst als die dünnen und leichten DVD's die sperrigen VHS-Kassetten ersetzten, wurde das Modell kosteneffektiv. Ironischerweise war Netflix später für die Ablösung des DVD-Marktes mitverantwortlich.

Im Juli 2020 hatte Netflix rund 193 Millionen Abonnenten, doch in den Anfangstagen hatte das Unternehmen zu kämpfen. Dennoch versuchte Amazon-Gründer Jeff Bezos 1998, den im Entstehen begriffenen Verleihservice zu kaufen und unterbreitete Netflix ein lukratives Angebot. Dieses Angebot lehnte Netflix ab, und klopfte im Jahr 2000 bei ihrem damaligen Hauptkonkurrenten Blockbuster an die Tür.

Netflix

 

 

Nach Hochmut kommt der Fall

Hastings und Randolph fliegen gemeinsam nach Texas und unterbreiten Blockbuster ein lukratives Angebot:  für 50 Millionen US-Dollar wolle man zusammenarbeiten und es sollte ein eigener Online- und DVD-Postdienst für Blockbuster eingeführt werden und Netflix im Gegenzug in den Filialen beworben werden. Soweit die Idee, doch die Blockbuster-Geschäftsführung war davon wenig überzeugt und wenig begeistert. Ganz im Gegenteil. Der Glaube des Unternehmens in sein Geschäftsmodell war ungebrochen.

Randolph erinnerte sich später, dass der CEO von Blockbuster, John Antioco, lachte, als sie den Preis von 50 Millionen US-Dollar nannten. Netflix unterbreitete dennoch weitere Angebote, die aber allesamt unbeachtet blieben. Stattdessen setzte Blockbuster auf ein anderes Pferd und unterzeichnete im Jahr 2000 einen Vertrag mit Enron, um einen On-Demand-Videodienst zu starten. Die Vereinbarung fiel jedoch 2001 auseinander, als Enron das Gefühl hatte, dass Blockbuster sich nicht ausreichend für Streaming-Dienste engagierte.

Ironie der Geschichte

Blockbuster sah Netflix als Nischenplayer und versäumte es, die Explosion in der Popularität des Abonnementmodells und später der Online-Streaming-Dienste zu erkennen. Zehn Jahre später meldete Blockbuster Insolvenz an.

Netflix hat inzwischen über 139 Millionen zahlende Abonnenten in über 190 Ländern und ist unglaubliche 150 Milliarden Dollar wert, was die gescheiterten Verträge von Blockbuster zu einem der größten Fehler in der Unternehmensgeschichte macht.

Blockbuster hat durch seine Geschäftsidee das Wohnzimmer vieler Menschen über viele Jahre bereichert und gehört aus diesem Grund, zu unseren 50 Innovationen, die in die Geschichte eingegangen sind.

Weitere 49 Innovationen warten auf Sie in unserem eBook „Die Geschichte der Innovationen in 50 Vereinbarungen"

Autor
DocuSign Contributor
Veröffentlicht
Schlagwörter